ambrus+co

Heinrich-Roller-Straße 16b 10405 Berlin

„Berlin ist ein Dorf“ – diese typisch berlinerische Redewendung trifft auf die im Stadtteil Kaulsdorf neu errichtete Wohnanlage im Besonderen zu: die ehemals zum Gehöft Bredereck gehörende Ackerfläche wurde in den 1990er Jahren als Bauland ausgewiesen. Mit diesem Bebauungsplanverfahren sollte das in seinem Ursprung erhaltene Berliner Angerdorf abgerundet werden. ambrus+co gestaltete die Neubebauung für eine Baugruppe städtebaulich nach dem Vorbild des ortstypischen Vierseithofes. Dessen Typologie war ein straßenseitiges Bauernhaus, seitliche Remisen und eine wuchtige rückwärtige Scheune zu den Wiesen an der Wuhle, einem schmalen Entwässerungsgraben.

 

Dieser Typologie folgend entstand ein Vierseithof mit einem Mehrfamilienwohnhaus parallel zur Dorfstraße sowie 11 Reihenhäusern im rückwärtigen Bereich. Wie bei einem klassischen Vierseithof bildet die Hoffläche das Herz der Wohnanlage. Die Lage am Hang ausnutzend werden auf dem Hof überdachte Stellplätze mit Abstellräumen angeboten. Darüber haben die Wohnungen des Mehrfamilienhauses ihre großzügigen Terrassen- und Gartenflächen. Der Höhenunterschied zur Erschließungsebene gewährleistet so die Privatsphäre der zum Hof orientierten Terrassen. Zudem werden sie wegen der höheren Lage besser besonnt. Durch die Differenzierung in der Höhe entstehen unterschiedliche Räume und unerwartete Perspektiven. Von der Dorfstraße bleibt der Durchblick bis ins Wuhletal erhalten.

Den Konflikt zwischen der Typologie einer großen Scheune und von vergleichsweise kleinteiligen Reihenhäusern löste der Architekt, indem er die Reihenhäuser mit der ortstypischen Kubatur der Scheune plante und typische Gestaltungselemente aufgriff: Ziegeldächer mit einer Neigung von 30 Grad, dem historischen Bestand entsprechende Gebäudekubaturen und tektonisch ruhige Lochfassaden. Den bei Reihenhäusern gewünschten Wiedererkennungswert entsteht durch individuelle Farbgebung von Bauteilen und Fassadenflächen.

 

Das Entwurfskonzept entspricht auch den denkmalpflegerischen Interessen und Auflagen, wonach beispielsweise an der Westfassade der „Scheune“ keine Balkone, Erker oder sonstige Vorsprünge gestattet waren. Um dennoch den phantastischen Ausblick ins Wuhletal nach Westen für die Bewohner erlebbar zu machen, sind im 2. Obergeschoss Loggien angeordnet, die zugleich Sonnenschutz für die Westseite gewährleisten. Aus denkmalpflegerischen Gründen mussten die Bewohner auf bauliche oder pflanzliche Trennungen zwischen ihren Terrassen im Erdgeschoss verzichten.

Der rückwärtige Gartenbereich bis hinunter zur Wuhle ist eine Gemeinschaftsfläche für alle Mitglieder der Baugruppe. Entsprechend den Auflagen aus dem Bebauungsplan wurde eine Streuobstwiese angelegt, wenngleich diese nicht ortstypisch war. Bauer Bredereck hatte hier über Jahrhunderte Nutzpflanzen wie Getreide, Rüben und Kartoffeln angebaut. Um den landwirtschaftlichen Charakter zu wahren, müssen die Bewohner auch hier auf Einfriedungen und trennende Elemente verzichten.

Die Mitglieder der Baugruppe haben die vom Architekten angebotenen Grundrisse nach ihren Bedürfnissen und Vorstellungen angepasst; sowohl räumlich als auch in der Wahl der Ausbaumaterialien.